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Geld & Geldwert

Politik wälzt Kassen-Defizit auf Versicherte ab 

— Nicht 40, nicht 50, sondern bis zu 95 Euro sollen gesetzlich Versicherte ab 2011 pro Monat mehr bezahlen – ohne bessere Leistungen. Einzig sinnvolle Alternative: Der Wechsel in die private Krankenversicherung.

(Stand: Juli 2010)

Foto: Bundesgesundheitsministerium

Erinnern Sie sich noch? „Damit Deutschland stärker wächst – mehr Netto vom Brutto“ – so lautete eines der zentralen Versprechen der schwarz-gelben Bundesregierung kurz nach der Bundestagswahl 2009. Jetzt wissen wir: Das Versprechen ist passé – ab sofort gilt das Gegenteil: Weniger Netto vom Brutto. Die gesetzliche Krankenversicherung steuert im kommenden Jahr auf ein Rekorddefizit von elf Milliarden Euro zu – und ausbaden dürfen es fast ausschließlich die gesetzlich Versicherten.

Um die Finanzlöcher zu stopfen, hat Gesundheitsminister Phillip Rösler bekannt gegeben, den Beitragssatz für alle gesetzlich Krankenversicherten ab 2011 anzuheben: von 14,9 auf 15,5 Prozent. Arbeitnehmer werden dabei mit 8,2 Prozent zur Kasse gebeten. Der Arbeitgeberanteil steigt dagegen nur von sieben auf 7,3 Prozent – und er wird auf diesem Niveau eingefroren. Heißt konkret: Künftige Kostensteigerungen tragen die Versicherten alleine. Wer zum Beispiel 3.500 Euro brutto verdient, muss künftig 287 Euro statt den bisherigen 276,50 Euro pro Monat zahlen (siehe Tabelle). Pro Jahr bedeutet allein das Zusatzkosten von rund 132 Euro.

Hinzu kommt: Auch die bisherige Deckelung der monatlichen Zusatzbeiträge, die klamme Krankenkassen erheben dürfen und die einige bereits seit Jahresbeginn von ihren Versicherten kassieren, entfällt. Bislang waren die Zusatzbeiträge auf ein Prozent des Bruttoeinkommens – maximal 37,50 Euro – begrenzt. Künftig dürfen die Kassen selbst entscheiden, welche Summe sie veranschlagen. Grundsätzlich möglich sind Zusatzbeiträge von bis zu zwei Prozent des Einkommens zu Lasten des Versicherten. Beispielsweise können so auf einen Gutverdiener ab 2011 bei einer dann angenommenen Beitragsbemessungsgrenze von 3.825 Euro pro Monat inklusive Zusatzbeitrag 95 Euro Mehrkosten zukommen – ohne Gegenleistung.

Die Gesundheitsreform wird für gesetzlich Versicherte richtig teuer.
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Trotz der rapide steigenden Belastungen schrumpft das Leistungsspektrum der Krankenkassen seit Jahren kontinuierlich. Auch angesichts des ebenfalls beschlossenen umfangreichen Sparpakets bei Ärzten und Krankenhäusern ist Besserung nicht in Sicht. „Obwohl die Beiträge in Zukunft weiter steigen werden, sollte kein Kassenpatient damit rechnen, dass sich dies auch in Leistungssteigerungen niederschlägt“, sagt Clemens Keller, Leiter Krankenversicherung bei MLP, „im Gegenteil: eine weitere Kürzung des Leistungskatalogs ist vorprogrammiert.“

Angesichts dieser trüben Aussichten wird die private Krankenversicherung (PKV) zum einzig sinnvollen Ausweg: Erstens profitiert jeder Versicherte in der PKV von einem auf seinen persönlichen Bedarf zugeschnittenen und dauerhaft garantierten Leistungsspektrum. Zweitens kann jeder Kunde selbst Einfluss auf die Höhe seines individuellen Versicherungsbeitrags nehmen. Fixe und am Einkommen orientierte Kassenbeiträge sind ebenso passé wie feste Zusatzbeiträge, auf deren Höhe der Versicherte praktisch keinen Einfluss hat. Letztendlich zahlen privat Versicherte deshalb oftmals bei deutlich höheren Leistungen weitaus niedrigere Beiträge.

Zügig Konditionen sichern
Um in die PKV wechseln zu können, müssen Angestellte die Jahresarbeitsverdienstgrenze von momentan 49.950 Euro drei Jahre in Folge überschreiten. Die Regierung möchte diese Frist ab 2011 aber auf ein Jahr verkürzen. Dadurch können Wechselbereite nicht nur schneller die Vorzüge der Privaten nutzen, sondern sie profitieren auch von besseren Versicherungsbedingungen, da der PKV-Beitrag maßgeblich von ihrem
Eintrittsalter abhängt. „Wer die Voraussetzungen für einen Wechsel aber noch nicht erfüllt, kann sich über einen Optionstarif jetzt schon bestmöglich vorbereiten“, rät Keller. Durch den Optionstarif erhalten gesetzlich Versicherte eine Aufnahmegarantie für die PKV, ohne dass sie später eine erneute Gesundheitsprüfung ablegen müssen. So sichern sie sich günstigere Anfangsbeiträge in der PKV.

Zusatzvorsorge statt Zusatzbeitrag
Mit Blick auf das Rentenalter können privat Versicherte schon heute ihre späteren Beiträge kräftig drücken – und das sogar steuerlich gefördert. Dazu investiert der Versicherte zusätzlich zu seiner PKV-Versicherung einen festgelegten monatlichen Beitrag in eine so genannte Beitragsentlastungskomponente. Das Versicherungsunternehmen legt den Mehrbetrag gewinnbringend an – und garantiert dem Versicherten im Gegenzug einen festgelegten deutlich niedrigeren Beitrag im Alter. Besonderes Plus: Durch das seit 1. Januar 2010 geltende Bürgerentlastungsgesetz sind nicht nur die PKV-Beiträge steuerlich absetzbar, sondern auch die Investitionen in die Beitragsentlastungskomponente.

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