Clever auf die Energiewende setzen
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19. Januar 2012. „Schlag für Eurozone: S&P stuft neun Länder herunter“, „S&P legt nach: Auch Euro-Rettungsschirm büßt Spitzennote ein“, wer die aktuelle Medienberichterstattung verfolgt, findet sich schnell ratlos angesichts der Vielzahl der Meldungen und Entwicklungen. Jüngster Auslöser für die Diskussionen an den Finanzmärkten und in der EU-Politik: Die US-Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) hat in den vergangenen Tagen neun Euro-Länder, darunter Österreich und Frankreich sowie den Euro-Rettungsschirm (EFSF), der mit seinen Garantien für die Finanzierung der EU-Schuldenländer bürgen soll, in ihrer Kreditwürdigkeit herabgestuft. Angesichts dieser Vorgänge sind viele Anleger und Sparer unsicher mit Blick auf ihre Vermögensanlagen und Altersvorsorge. Forum Online erklärt die Zusammenhänge, welche Folgen die aktuellen Entwicklungen haben – und welche Schlüsse Anleger daraus ziehen können.
Was ist passiert?
Standard & Poor’s hatte ihre Herabstufung bereits im Dezember angekündigt – und jüngst umgesetzt. Sie stufte die Bonität von neun der 17 Euro-Länder herunter. Besonders im medialen Fokus standen dabei Österreich und EU-Schwergewicht Frankreich, die beide ihr AAA-Rating verloren und nun mit AA+ bewertet sind. Die Benotung von Spanien und Italien senkte S&P gleich um zwei Stufen, auf A beziehungsweise BBB. Wenige Tage später stufte die Agentur auch noch den Euro-Rettungsschirm von AAA auf AA+ herab. Damit verfügen in der Euro-Zone nur noch Deutschland, Luxemburg, die Niederlande und Finnland über die Spitzenbonität AAA.
Warum sind Bonitätsnoten für ein Land wichtig?
Die Bewertungen der drei führenden Rating-Agenturen S&P, Moody’s und Fitch sind ausschlaggebend für die Finanzierungskosten der Staaten an den Kapitalmärkten. Grundsätzlich gilt: Je besser ein Staat (oder auch ein Unternehmen) bewertet ist, desto günstiger kann es Geld aufnehmen. Wer eine schlechtere Bonität hat, muss potentiellen Investoren höhere Zinsen anbieten, um das mögliche Ausfallrisiko für den Gläubiger zu vergüten. Zudem sehen viele Anlagevorschriften für beispielsweise Versicherungen oder Pensionsfonds vor, dass aus Sicherheitsgründen nur in Anleihen höchster Bonität investiert werden darf. Verliert ein Land sein AAA, ist es für viele solcher Investoren tabu.
Wie begründet S&P seine Entscheidung?
Hauptkritikpunkt der Analysten von S&P an den Staaten der Euro-Zone ist, dass diese das Problem der wirtschaftlichen Ungleichgewichte nicht genug angingen. Man konzentriere sich vorrangig auf Sparmaßnahmen anstatt auch auf Wachstumsförderung zu setzen. Vielmehr würden die Sparbemühungen das Wirtschaftswachstum der von Schuldenlasten besonders betroffenen Länder behindern. Zudem glaubt S&P, dass sich die Krise weiter verschärfen könnte.
Wie sehen die übrigen Rating-Agenturen die Lage?
Die anderen beiden großen Rating-Agenturen, Fitch und Moody’s, beurteilen die Lage aktuell zurückhaltender: So will Moody’s die Kreditwürdigkeit Frankreichs wohl bis Ende März unter die Lupe nehmen und die Benotung mindestens bis dahin bei AAA belassen. Die Rating-Agentur Fitch lässt durchblicken, dass man derzeit sechs Euro-Länder überprüfe und Ende Januar voraussichtlich auch einige davon herabstufen werde, darunter wohl auch Italien und Spanien. An der höchsten Bonität für Frankreich wollen die Fitch-Analysten vorerst aber festhalten.
Wie zeigen sich die Kapitalmärkte nach der S&P-Herabstufung?
Weil die Herabsetzung von den Marktteilnehmern bereits erwartet worden war, reagierten die Kapitalmärkte weltweit gelassen. Beispielsweise machten positive Unternehmenszahlen und -nachrichten auf den deutschen Aktienmarkt größeren Eindruck. Die Befürchtungen, dass es für manche EU-Länder und den EFSF in der Refinanzierung teurer werden könnte, bewahrheiteten sich bislang nicht: Sowohl der Euro-Rettungsschirm als auch einige EU-Länder, darunter das herabgestufte Frankreich, konnten jüngst kurzfristige Anleihen zu günstigen Konditionen am Markt platzieren.
Wie beurteilen Experten aus Wirtschaft und Politik die Lage?
Bundesbankvorstand Andreas Dombret erachtet die Herabstufung des EFSF als nicht besonders dramatisch, denn die möglicherweise höheren Kreditkosten würden letztlich die hilfeempfangenden Länder tragen müssen. Für diese Staaten wachse so der Anreiz, sich wieder aus eigener Kraft auf den Kapitalmärkten Geld zu besorgen. Selbst S&P plädierte dafür, bei der Beurteilung „die Kirche im Dorf zu lassen“, sagt deren Europa-Chefanalyst Moritz Kraemer. Selbst nach den aktuellen Anpassungen seien die Ratings in der Eurozone im internationalen Vergleich noch sehr stark. Die Herabstufung Frankreichs von AAA auf AA+ sei vergleichbar mit Schulnoten von 1+ auf 1. Deutschland sei stark genug aufgestellt, um weiterhin die Höchstnote zu behalten. Dies gelte auch für den Fall, dass tatsächlich ein Negativszenario mit Rezession und lang anhaltender Wachstumsschwäche eintreten sollte, so der S&P-Analyst.
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