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Beruf & Berufung

Medizinerinnen: Unter einem Hut! 

— Die Doppelbelastung Familie und Beruf zu meistern, ist noch immer in erster Linie Aufgabe der Frauen. Drei Ärztinnen berichten, ob und wie ihnen der Spagat zwischen Kind & Karriere gelingt.

von Dr. Markus Weber

Fotografie: Fotolia

Die Medizin wird von Tag zu Tag weiblicher: Auf 100 Immatrikulationen im Fach „Medizin“ kommen in Deutschland mittlerweile 60 Studentinnen, und die Frauenquote bei den ihren Beruf ausübenden Ärzten liegt derzeit bei 41,5 Prozent – das sind fast fünf Prozentpunkte mehr als im Jahr nach der Wiedervereinigung.

Die „Feminisierung der medizinischen Profession“, wie die Bundesärztekammer die Entwicklung auf den Begriff bringt, darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der quantitative Sprung kein qualitativer ist: Chefarztpositionen werden derzeit zu lediglich elf Prozent von Frauen besetzt.

Als zentrales Karrierehindernis machte die Bund-Länder-Kommission aus, dass sich die Phase der Facharztausbildung gewöhnlich mit der Phase der Familiengründung decke und sich deswegen in die Länge ziehe oder gar auf unbestimmte Zeit ad acta gelegt werde. Noch immer nämlich fällt es primär den Frauen zu, Beruf und Familienleben zu schultern, beides „unter einen Hut“ zu bringen. Um der Doppelbelastung zu entrinnen, verzichten nicht wenige Ärztinnen auf Nachwuchs. Andere ziehen die umgekehrte Konsequenz, erfüllen sich den Kinderwunsch und quittieren daraufhin den Job. „Diese Verschwendung von Kompetenz können wir uns nicht länger leisten“, heißt es dazu vom Deutschen Ärztinnenbund.

Dass es für Ärztinnen kein aussichtsloses Unterfangen ist, eine Work-Life-Balance hinzubekommen, führen die MLP-Kundinnen Dr. med. Pia Zschäckel-Wuttke aus Leipzig, Dr. med. Johanna Steppert aus Bamberg und Dr. med. Petra Robben-Bathe aus Kirchzarten vor:

„Vereinbarkeit von Beruf und Familie beginnt im Kopf“, sagt Pia Zschäckel-Wuttke (46). „Ich wollte ein Kind und wusste, was das bedeutet – dass meine Nächte kürzer sind, dass ich abends nicht ins Kino kann … und das habe ich akzeptiert.“ Natürlich sei neben Selbstdisziplin auch Entlastung wichtig gewesen.

Die habe sie einerseits durch ihre Eltern erfahren, die sich als Oma und Opa viel um die beiden Enkelkinder gekümmert hätten. Andererseits habe sie aber auch aktiv daran gearbeitet: 1995 entschied sich Pia Zschäckel-Wuttke für die Niederlassung. „Ich habe damals der Unifrauenklinik Leipzig Ade gesagt, weil ich eine eigene gynäkologische Praxis eröffnen, mein eigener Chef sein wollte – und auch wegen der Familie! Die Klinik hätte den halben Monat lang Nachtschichten bedeutet, die Praxis hingegen verschaffte mir Zeitsouveränität, sodass ich mich ab da viel besser um meine damals zehnjährige Tochter und meinen sechsjährigen Sohn kümmern konnte.“

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