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Leben & Lifestyle

„Jura und Literatur, beides ist kreativ!“ 

— Bereits mit ihrem ersten Roman „Adler und Engel“ eroberte sich Juli Zeh einen Platz auf der Liste der gefragtesten deutschen Autorinnen. Im Interview berichtet sie unter anderem über ihren inneren Drang zu schreiben – ob als Schriftstellerin, Journalistin oder Juristin.

Interview: Johannes Zenner | Aus: women’s quarterly 1/2009

Bild: David Finck

wq: Frau Zeh, seit ihrem Debütroman „Adler und Engel“, der mittlerweile in 28 Sprachen übersetzt wurde, sind Sie als Schriftstellerin erfolgreich. Wie bleibt man über die Jahre konstant kreativ und motiviert?

Schon lange vor „Adler und Engel“ habe ich geschrieben, wenn auch nur für mich. Ich folge im Grunde seit meinem siebten Lebensjahr meinem inneren Drang zu schreiben. Es gibt seitdem keine längeren Phasen, in denen ich nicht schrieb. Vor Veröffentlichung eines Buches suche ich mir jedoch Feedback, nicht nur aus dem Verlag, sondern auch von der Familie und Freunden. Persönliches Feedback von Vertrauten, fachliche Hinweise aus dem Verlag – beides zusammen motiviert und trägt über den ein oder anderen Selbstzweifel hinweg.

wq: Sie veröffentlichen regelmäßig Artikel und Essays in unterschiedlichen Medien. Sie vertreten auch klare Standpunkte, etwa zur Gesundheitspolitik. Sehen Sie sich als politische Autorin?

Ich bin ein politischer Mensch – aber keine politische Autorin. Wäre ich eine politische Autorin, hätte alles, was ich verfasse und verfasst habe, einen politischen Hintergrund. Das ist nicht der Fall. „Corpus Delicti – ein Prozess“ ist mein erstes politisches Buch.

wq: Neben ihrer Schriftstellerei promovieren Sie über den Status des Kosovo aus völkerrechtlicher Sicht. Sie haben das Schreiben Ihrer Dissertation mal als Hobby bezeichnet. Stimmt das weiterhin?

Daran halte ich fest. Ich verdiene damit ja nicht meinen Lebensunterhalt. Deswegen ist es ein Hobby, wenn auch ein sehr aufwändiges.

wq: Einerseits Wissenschaftlerin, andererseits Autorin. Leben Sie zwei Leben?

Keinesfalls. So viele gravierende Unterschiede gibt es nicht. Jura und Literatur, beides ist kreativ. Jura ist mitunter sogar kreativer. Das würden die meisten Juristen bestätigen. Bewusst trenne ich beide Welten nicht voneinander. Allerdings spielt Jura wirklich eine untergeordnete Rolle. Nur mal zur Veranschaulichung: Die Dissertation beansprucht allenfalls zehn Prozent meiner Zeit.

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