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Leben & Lifestyle

Standortfaktor Kultur 

— Fritz Pleitgen, langjähriger Intendant des Westdeutschen Rundfunks und Manager der Initiative Ruhr 2010, der neuen Kulturhauptstadt Europas.

Interview: Melanie Contoli und Bernd Katzenstein | Aus FORUM 3/2007

Fotografie: David Maupile

Es ist kühl auf der Trichterebene der ehemaligen Kokerei in der Zeche Zollverein Essen. 888 Quadratmeter Industriedenkmal, von der Decke hängen bedrohlich meterhohe Steintrichter. Hier wurde bis in den 90er Jahren aus Rohkohle Koks gemacht – und Fritz Pleitgen genießt die Authentizität der Umgebung sichtlich. Wie anstrengend es gewesen sein muss, sich hier den Lebensunterhalt zu verdienen – das sei heute noch greifbar, bemerkt er. Wir treffen Fritz Pleitgen dort, wo seine Wurzeln sind: Im Herzen des Ruhrgebiets, das dank der Initiative Kulturhauptstadt zusammenwachsen soll zu einem riesigen Kultur-Konglomerat. Seit dem 2007 ist der langjährige WDR-Intendant Manager der neuen Kulturhauptstadt Europas.

Herr Pleitgen, nach 12 Jahren als Intendant des Westdeutschen Rundfunks haben Sie noch einmal eine völlig neue berufliche Herausforderung angenommen. Warum hat man Sie in die Geschäftsführung der InitiativeRuhr 2010 geholt?
Pleitgen: Es gab mehrere Gründe. Meine Managementerfahrung, meine internationalen Beziehungen, meine Medienkenntnis, mein Bekanntheitsgrad, mein enges Verhältnis zur Kultur durch den WDR. Außerdem bin ich im Ruhrgebiet aufgewachsen und bringe somit auch den persönlichen Bezug mit. Ich bin in Duisburg geboren und habe meine ersten Lebensjahre in einem echten Krupp-Arbeiterhaus verbracht – bis wir im Krieg ausgebombt wurden. Irgendwie ist das eine Aufgabe, die zu mir passt.

Das Motto Ihrer Initiative lautet „Kultur durch Wandel – Wandel durch Kultur“. Reicht das aus, um wirklich als Kulturhauptstadt zu gelten?
Pleitgen: Heute hat das Ruhrgebiet längst nichts mehr mit dem alten Klischee zu tun. Sowohl durch private als auch durch öffentliche Initiativen ist Kultur allerorts lebendig und ein wesentlicher Standortfaktor. Der EU-Präsident Barroso hat 2004 in Paris erklärt „Culture comes before Economy“. Es sieht tatsächlich danach aus. Die Kreativwirtschaft überholt Chemie und Energie. Im Ruhrgebiet hat die Kreativität längst den Bergbau abgehängt. Mit 53 Städten und Gemeinden und 5,3 Millionen Menschen ist das Ruhrgebiet die komplexeste Kulturhauptstadt, die es je gegeben hat. Unser Ziel ist, dass national und international zur Kenntnis genommen wird, dass das Ruhrgebiet Europas neue Metropole und eine der reichsten Kulturregionen des Kontinents ist. Wir sind uns dabei im klaren, dass es schwieriger ist, ein bestehendes Image zu ändern als ein neues zu schaffen.

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