Feuerschutzmaßnahmen
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Interview: Melanie Contoli
Herr Schirrmacher, warum ist der Mensch mit seiner Rolle in der Informationsgesellschaft überfordert?
Frank Schirrmacher: Wir haben es mit einer industriellen Revolution zu tun, die einen hohen Preis kostet: Multitasking ist nichts anderes als der zum Scheitern verurteilte Versuch des Menschen, selbst zum Computer zu werden. Forschungen an der Stanford-University haben ergeben, dass Multitasking auf Dauer Konzentrations- und Gedächtnisstörungen beim Menschen hervorruft und er somit immer schlechter wird.
Diese neue Art zu arbeiten verursacht sogar einen volkswirtschaftlichen Schaden im Milliardenbereich: Denn einmal von unserer Arbeit unterbrochen – etwa durch eine Email – brauchen wir im Schnitt 25 Minuten, bis wir wieder zu dieser Arbeit zurückkehren – weil wir vergessen haben, was wir überhaupt getan haben und das entstandene Vakuum schnell noch mit zwei anderen Tätigkeiten füllen.
Und ein bisschen Disziplin und Zeitmanagement helfen da auch nicht weiter?
Frank Schirrmacher: Nein, denn der Mensch lässt sich ja immer wieder unterbrechen, weil es sein urzeitliches Bedürfnis ist: zu wissen, was los ist, was es Neues gibt. Menschen sind Informationsfresser und Informationen sind wie Nahrungsketten: Sie schaffen immer mehr Anreize, immer mehr Hunger, der aber letztendlich nie gesättigt wird. Und genau so ist das Internet aufgebaut und manipuliert, und deshalb fühlen wir uns ständig gehetzt, gejagt und immer ruhelos. Nicht umsonst spülen 4-jährige Kinder die Black Berrys ihrer Eltern in die Toilette. Sie spüren, dass sie mit diesen Geräten um die Aufmerksamkeit konkurrieren.
Wieviel Macht hat das Internet?
Frank Schirrmacher: Das Internet ist eine Art Laboratorium. Nehmen Sie die Suchmaschine Google: Jede meiner Bewegungen im Netz wird aufgezeichnet, jede meiner Sucheingaben ist auch immer eine Auskunft. Das System erkennt, was die Leute interessiert und stellt Verbindungen her. Google & Co. Sind aufgrund der unfassbaren Datenmenge jetzt schon in der Lage, menschliche Assoziationen vorauszuberechnen und damit Gedanken und Bedürfnisse vorherzusehen – das fängt im Kleinen an beim Onlinehändler Amazon, der Ihnen bei der Buchbestellung sagt, welche Musik Ihnen wohl gefallen könnte.
Aber auch die Anti-Terror-Abwehr in Amerika arbeitet mit dieser so genannten „predictive Search“. Die kombinieren Daten und erkennen dadurch Profile von potenziellen Kriminellen. Das geht natürlich auch mit Mitarbeitern oder Bewerbern. Oder nehmen Sie die Software Goggles: Sie analysiert Handy-Fotos und sagt Ihnen, was drauf zu sehen ist – egal, ob Sie ein Gebäude, Bücher oder Sehenswürdigkeiten fotografiert haben. Worüber Google aber aus Datenschutzgründen noch nicht so gerne spricht: Das funktioniert auch mit Gesichtern! Ich kann also eine beliebige Person im Café mit meinem Handy fotografieren und die Software liefert mir das passende Profil aus dem Internet.
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jan-henry:
Herr Schirrmacher hat in allen Punkten recht