Der Geist der Frauen
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Interview: Martina Petersen | Aus women’s quarterly 4/2008
wq: Warum ist in der Generation der jungen, „wilden“ Köche außer Ihnen keine Frau zu finden?
Sarah Wiener: Das dürfen Sie mich nicht fragen, ich stehe ja im Scheinwerferlicht. Aber natürlich leben wir in einer Männergesellschaft, und unsere Kochszene ist ein Abbild dieser Gesellschaft.
wq: Hat sich das Image des Kochens inzwischen verändert – ist Kochen heutzutage sogar sexy?
Sarah Wiener: (lacht) Viele Frauen finden kochende Männer sexy, weil sie etwas erschaffen. Aber die Frau, die seit zwanzig Jahren jeden Tag in der Küche steht und kocht, findet wohl kaum noch einer sexy. Ich glaube vielmehr fest daran, dass Liebe durch den Magen geht und dass es ein Liebesbeweis ist, wenn man für jemanden kocht.
wq: Sie betonen immer wieder, dass Sie ungelernte Köchin sind. Ist die fehlende Ausbildung bei Ihrem Werdegang ein Handicap gewesen?
Sarah Wiener: Überhaupt nicht. Es war ja auch nicht so, dass ich Köchin werden wollte und keinen Ausbildungsplatz bekommen hätte. Diese Bemerkung ist eine kleine Koketterie und Ausdruck eines gewissen Rebellentums: Man kann auch über Seitenwege etwas erreichen! Aber natürlich habe ich von vielen Köchen gelernt. Mir sind meine Fähigkeiten ja nicht zugeflogen.
wq: Wie verändert sich die Einstellung zu Lebensmitteln, wenn man wie Sie in einer Arte-Sendung sein Perlhuhn selbst schlachtet oder zwei Nächte aufs Meer hinausfährt, um Langustinos zu fischen?
Sarah Wiener: Deshalb bin ich nicht geläutert worden. So blöd es vielleicht klingt: Ich war schon ein komisches Kind, das von allein wenig Fleisch gegessen hat, keine Fertigprodukte gegessen und nie zuckrige Limonaden getrunken hat. Ich fand das widerlich. Ich hatte schon immer ein besonderes Verhältnis zu Lebensmitteln. Das war mir aber nicht klar, bevor das Kochen und die Lebensmittel durch den Beruf so einen Stellenwert in meinem Leben bekommen haben.
wq: Sie haben sich 1990 selbständig gemacht als Unternehmerin mit eigenem Catering-Service. War das für Sie gleich klar: Wenn ich diesen Weg einschlage, dann auf meine Art?
Sarah Wiener: Ja, ich führe ein komplettes „trial and error“-Leben. Ich wusste nichts vorher, und ich weiß auch nicht, wo ich in fünf Jahren stehen werde. Ich probiere immer etwas aus: Mal gehe ich den Weg des geringsten Widerstands. Oder ich gehe den Weg, der mir am besten gefällt. Manchmal gehe ich auch einen Weg, weil mir nichts anderes übrig bleibt. Bei mir ging es immer so hin und her, da ist null Karriereplanung im klassischen Sinne.
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