„Das Leben ist unausweichlich“
— Ob als TV-Ikone, Buchautor oder Theaterschauspieler – Herbert Feuerstein gilt in der deutschen Medienlandschaft als Garant für vielseitige Unterhaltung und beherrscht dabei meisterhaft die Gratwanderung zwischen Feinsinn und Klamauk. Mit FORUM sprach Herbert Feuerstein über Meilensteine seiner Karriere, seine Abwasch-Rituale zu Hause und warum er heimlich in Bundesanleihen investiert.
Interview: Melanie Contoli | Aus FORUM 3/2007

Fotografie: David Maupile
Herr Feuerstein, Sie empfangen uns zum Interview hier in Ihrer Kölner Stadtwohnung. Wie viele solcher Domizile haben Sie?
Feuerstein: Das ist meine erste und letzte gekaufte Wohnung und eigentlich nur ein Zufall, eine Entgleisung. Ich bin kein Freund von Eigentumswohnungen oder gar Häusern, das bindet und belastet nur. Früher wollte ich nicht mal Möbel, sondern nur den gepackten Koffer. Ich glaube nicht an das Glück, nur an die Sekundenzufriedenheit. Die ist gesund wie der Sekundenschlaf.
Das klingt nach Rastlosigkeit. Gibt es in Ihrem Leben denn keine Gemütlichkeit?
Feuerstein: Nicht bewusst. Und wenn sie sich einschleicht, wird sie schnell wieder vertrieben. Gemütlichkeit ist Stillstand, da kann man ja gleich tot sein, und das bin ich bald lange genug. Das verträgt sich nicht mit dem Lebenszeit-Management.
Wie sieht denn Ihr Lebenszeit-Management aus?
Feuerstein: Mein Treibstoff ist nun mal die Unruhe, obwohl ich schon viel ruhiger geworden bin, die Energie nimmt nun mal ab 50 kontinuierlich ab.
Haben Sie gut fürs Alter vorgesorgt?
Feuerstein: Ja, natürlich. Mit der Ehe.
Das heißt, die Ehe ist die beste Altersvorsorge?
Feuerstein: Nein, nein. Das war jetzt wirklich nur ein schlechter Scherz, da würde ich sofort einen Anwalt schicken, wenn so etwas über mich geschrieben würde. Eine Versorgungsehe wäre für mich der totale Alptraum. Meine wahre Motivation ist die Angst vor der Abhängigkeit. Deswegen habe ich schon sehr früh darauf geachtet, immer dieses gewisse Leck-mich-am-Arsch-Geld auf der Seite zu haben. Damit man jederzeit sagen kann, mir reicht’s. Freilich man muss aufpassen, dass man nicht unmäßig wird. Dass man nicht irgendwann sagt, was sind schon zwei Milliarden, wo der andere doch sechs hat?
Wissen Sie, wie viel Geld Sie haben?
Feuerstein: Etwas weniger als zwei Milliarden. Ich hab so ein Internetportal, da klickt man drauf und sieht, wie sich die Finanzen entwickeln. Früher konnten Leute mit Interesse am Geld abends nach dem Sex im Geiste zusammenzählen, was sie haben. Ein Gedankenspiel zum Einschlafen. Das braucht man heute nicht mehr, jetzt weiß man auf einen Knopfdruck alles und schläft sofort ein. Eigentlich schade.
Sie wissen genau, wo Ihr Geld investiert ist?
Feuerstein: Klar, ich bin neugierig, ich will alles wissen. Der einzige vernünftige Rat, den ich je von Harald Schmidt bekommen habe, lautete „Hör genau zu, was dir deine Bank rät, und mach dann das Gegenteil“. Das habe ich mir angewöhnt. Ich warte immer, bis mein Banker in den Urlaub fährt und kaufe dann Bundesanleihen. Heimlich.
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