Forum MLP – Das MLP-Magazin

Beruf & Berufung

Ärzte-Exodus: „Ich bin dann mal weg!“ 

— Immer mehr Ärzte kehren Deutschland wegen der sich verändernden Arbeitsbedingungen den Rücken.

von Dr. Markus Weber

Illustration: Jörg Volz, Signum/Fotolia

Droht Deutschland ein Exodus des ärztlichen Nachwuchses? 70 Prozent der Medizinstudenten zieht es nach Abschluss ihrer Ausbildung ins Ausland, hat die Abteilung für Allgemeinmedizin der Ruhr-Universität Bochum ermittelt. Laut MLP-Gesundheitsreport 2009 wäre eine Tätigkeit im Ausland für 43 Prozent aller Ärzte in Deutschland eine Alternative.

Zwar liegt einer Absichtserklärung nicht unbedingt eine ausgereifte Planung zugrunde. Wie viele Mediziner Deutschland tatsächlich den Rücken kehren werden, ist somit ungewiss. Das Ausmaß der Abwanderungstendenz ist trotzdem alarmierend; zu befürchten sind gravierende Engpässe bei der künftigen Patientenversorgung.

Andererseits: In die Ferne zu schweifen, hat in der akademischen Welt Tradition. Mediziner sollten Praxiserfahrung sammeln – warum also nicht auch im Ausland? Dazu bieten sich insbesondere die Praktika während des Medizinstudiums, die so genannten Famulaturen, an. Auch das Praktische Jahr (PJ) im Ausland zu verbringen, ist beliebt, weil es in vielen Ländern, anders als bei uns, entlohnt wird.

Mittlerweile geht jedoch die Angst um, dass sich immer mehr Mediziner nicht bloß für eine begrenzte Zeit in die Fremde begeben, sondern dem deutschen Gesundheitssystem für immer verloren gehen. Von 2001 bis 2008 haben insgesamt 13.712 Mediziner Deutschland verlassen, um eine Stelle im Ausland anzutreten.

1 2 3 4

Leserkommentare (1)

  • Ich habe ziemlich direkt nach meinem Studium und AIP in Deutschland den Sprung in die USA gemacht und auch wenn die ganzen Pruefungen und vor allem die Residency schon sehr, sehr hart waren, so habe ich jetzt eine Stelle als Anesthesist bei einer grossen HMO mit geregelter Arbeitszeit und einem guten Gehalt, Krankenversicherung und Beitrag zur Rente incl. Gerade Aerzte haben hier oft sehr gute Bedingungen auch Teilzeit zu arbeiten auch wenn es sicher immer noch viele Kollegen gibt die ihre 80-100 Stunden arbeiten, die haben allerdings dann das realistische Ziel mit 50 in Rente zu gehen.
    Die Strukturen sind einafc viel angenehmer, nach der Ausbildung war ich sofort eigenverantwortlich, kein Oberarzt der einem sagt. was zu tun ist, keine Arztfremden Taetigkeiten, wie auch im Text aus Skandinavien beschrieben, sind hier Pfleger besser ausgebildet und auch in anderen Fachbereichen sind es kein Arztfremden Taetigkeiten, jede Station hat eine “secretary”, so dass kein Schreibarbeiten ausser dem wesentlichen anfallen. Ich kann mir jedenfalls nicht mehr vorstellen, in Deutschland zu arbeiten

Weitere Artikel aus der Rubrik Beruf & Berufung

Bild

Halbgott in Weiß oder Verkäufer? Der Arztberuf – quo vadis

Anfang Oktober diskutierten die frisch gebackenen Stipendiaten von „Medical Excellence“ mit MLP, der Ärzte Zeitung und Vertretern des ärztlichen Beirats über die Zukunft des Arztberufs. MEHR

Bild

Comeback der Hochkaräter

Ältere Mitarbeiter sind in einem Bereich unschlagbar: Berufs- und Lebenserfahrung. MEHR

Bild

Karriere: Ab jetzt bin ich mein eigener Boss

Die Pläne klingen toll, das Geschäftsmodell attraktiv – dennoch scheitern etliche Gründer. … MEHR